[Blog] Headshaking – warum vermehrt, wenn die Sonne scheint?

Headshaking bei Pferden ist eine Erkrankung, bei der das Pferd unwillkürlich mit dem Kopf schüttelt. Diese Bewegungen können verschiedene Ursachen haben und treten meist ohne äußeren Reiz auf. Für das Tier ist diese Krankheit nicht nur unangenehm, sondern kann auch das Wohlbefinden und die Nutzbarkeit erheblich beeinträchtigen. In diesem Artikel werden verschiedene Ursachen für Headshaking, die Diagnostik und die Therapiemöglichkeiten besprochen.

1. Trigeminus-mediiertes Headshaking (TMHS)

Das Trigeminus-mediiertes Headshaking (TMHS) ist eine spezifische Form des Headshakings, bei der der Nervus trigeminus, der fünfte Hirnnerv des Pferdes, eine zentrale Rolle spielt. Eine Funktionsstörung dieses Nervs führt zu einer abnormalen Reaktion, bei der das Pferd plötzlich mit dem Kopf schüttelt, meist in vertikaler Richtung. Diese Bewegungen treten unwillkürlich auf und ohne erkennbaren äußeren Reiz.

Symptome von TMHS:

  • Unwillkürliches Kopfzucken, meist vertikal, manchmal auch horizontal oder rotierend.
  • Vermehrtes Schnauben, Nase reiben und intensives Lippen- und Zungenspiel als Zeichen von Irritationen.
  • In schwereren Fällen versuchen die Pferde, mit den Vorderbeinen an die Nase zu treten oder können unberechenbar werden, was auch im Umgang mit anderen Pferden oder Menschen gefährlich sein kann.
  • Anfangs treten die Symptome vor allem unter Belastung auf, im fortgeschrittenen Stadium auch in Ruhe.
  • Die Symptome können saisonal variieren und treten oft verstärkt von Frühjahr bis Herbst auf – wenn die Sonne stark scheint auch im Winter bei Schnee.

Ursachen von TMHS:

Die Ursachen für TMHS sind vielfältig und können sowohl primäre als auch sekundäre Faktoren umfassen. Die häufigste Form des TMHS ist das idiopathische Headshaking, bei dem nach umfassender Diagnostik keine spezifische Ursache gefunden wird. Es wird angenommen, dass der Trigeminusnerv durch eine reduzierte Reizschwelle überreagiert. In einigen Fällen können Entzündungen oder Tumore im Bereich des Nerven zu einer sekundären Reizung führen, die das Headshaking auslöst.

Mögliche Ursachen für das symptomatische TMHS sind:

  • Erkrankungen im Bereich der Haut, Ohren, Zähne, oder auch Atemwege, die zu einer Überreizung des Nervs führen können.
  • Neurotrope Virusinfektionen oder sogar Fremdkörper im Kopfbereich können ebenfalls als Auslöser dienen.

In oben genannten Fällen ist das Behandeln der zugrunde liegenden Erkrankung entscheidend, um das Headshaking zu lindern.

Diagnose von TMHS:

Die Diagnostik bei TMHS erfolgt in der Regel über eine umfassende Ausschlussdiagnostik. Dabei wird zunächst versucht, andere Ursachen wie muskel- oder skelettbedingtes Headshaking, Zahnprobleme oder Verhaltensstörungen auszuschließen. Zu den gängigen Untersuchungen gehören:

  • Klinische neurologische Tests, um die Funktionsweise des Trigeminusnervs zu überprüfen.
  • Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Endoskopie und in manchen Fällen auch Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes.
  • Sensorische Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen, um die Reizschwelle des Trigeminusnervs zu überprüfen.

2. Muskuläre Ursachen für Headshaking

Neben den neurologischen Ursachen wie TMHS gibt es auch muskuläre Ursachen für Headshaking. Besonders häufig sind Verspannungen oder Blockaden im Bereich des Widerrists und des Nackens, die zu unangenehmen Schmerzen führen können. Der Nervus accessorius (11. Hirnnerv), der im Bereich des Widerrists verläuft, kann durch Verspannungen in diesem Bereich irritiert werden, was zu Kopfschmerzen und Kopfschütteln führt.

Symptome und Ursachen der muskulären Form:

  • In diesem Fall zeigt sich das Headshaking eher als Reaktion auf körperliche Beschwerden, die durch Verspannungen oder Veränderungen im Bewegungsapparat ausgelöst werden.
  • Besonders bei schlecht sitzendem Sattel oder falscher Reitposition kann es zu Blockaden im Bereich des Nackens oder der Halswirbelsäule kommen, die das Pferd dazu veranlassen, mit dem Kopf zu schütteln, um die Schmerzen zu lindern.
  • Auch Zahnprobleme oder Fehlstellungen des Gebisses können zu Schmerzen im Kopfbereich führen und so Headshaking auslösen.

Diagnostik der muskulären Ursachen:

Wenn der Verdacht besteht, dass Verspannungen oder Fehlstellungen im Rücken- oder Nackenbereich die Ursache sind, wird in der Diagnostik besonders auf die Sattelanpassung, Muskelverspannungen und Halswirbelprobleme geachtet. Manuelle Therapien wie Osteopathie können in diesen Fällen hilfreich sein, um Blockaden zu lösen und die Symptome zu lindern.

3. Behandlungsmöglichkeiten bei TMHS und anderen Ursachen:

Die Behandlung von Headshaking hängt stark von der zugrunde liegenden Ursache ab. Bei symptomatischem TMHS (z. B. durch eine Entzündung oder einen Tumor verursacht) muss zunächst die zugrundeliegende Erkrankung behandelt werden. Dies kann durch Medikamente, Chirurgie oder Therapien wie Kortikosteroide oder Antihistaminika geschehen.

Für idiopathisches TMHS gibt es eine vielversprechende Behandlungsmethode namens PENS (Perkutane Elektrische Nervenstimulation). Diese Therapie hat sich in der Behandlung von chronischen Nervenschmerzen als effektiv erwiesen. Dabei wird der Trigeminusnerv mit sanften Stromimpulsen stimuliert, um die Schmerzempfindlichkeit zu verringern und die Symptome zu lindern. Viele Pferde sprechen gut auf diese Therapie an, die nur wenige Nebenwirkungen hat.

Zusätzlich zu diesen therapeutischen Maßnahmen können Headshaking-Netze oder Nasen-Netze eine erhebliche Linderung verschaffen. Diese Netze reduzieren Umwelteinflüsse, wie Sonne, Wind oder Insekten, die den Trigeminusnerv reizen und das Headshaking auslösen können. Sie bieten den Pferden eine gewisse Erleichterung, besonders bei Reizempfindlichkeit.

Bei muskulär bedingtem Headshaking kann eine Veränderung des Trainings,  manuelle Therapie wie Osteopathie oder auch gezielte Massagen helfen, Verspannungen zu lösen. Eine Anpassung des Sattels und die Überprüfung der Reitposition sind ebenfalls wichtig, um muskulären Stress zu vermeiden.

4. Prognose

Die Prognose für Pferde mit Headshaking hängt stark von der Ursache ab:

Bei symptomatischem TMHS (z. B. aufgrund einer heilbaren Krankheit wie einer Entzündung) kann eine Verbesserung oder vollständige Heilung erreicht werden.
Bei idiopathischem TMHS ist die Prognose oft weniger gut. Die Krankheit kann progressiv verlaufen und das Pferd könnte mit der Zeit unreitbar werden. Eine Euthanasie könnte in schweren Fällen notwendig werden, wenn das Pferd unter den Symptomen leidet und keine Linderung durch Therapien erreicht werden kann.

5. Fazit

Headshaking ist eine komplexe und oft sehr belastende Krankheit für Pferde. Es gibt sowohl neurologische als auch muskuläre Ursachen, die zu den Symptomen führen können. Eine gründliche Diagnose und individuelle Behandlung sind entscheidend, um das Wohlbefinden des Pferdes zu verbessern und unnötiges Leiden zu vermeiden. Besonders bei idiopathischem TMHS hat sich die PENS-Therapie als eine vielversprechende Behandlungsoption herausgestellt. Eine frühzeitige Erkennung und eine angepasste Therapie und passendes Training können dazu beitragen, das Pferd wieder schmerzfrei und einsatzfähig zu machen.


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