Physiotherapie / Osteopathie

Das Körpertraining bei Pferden ist funktionelle Arbeit am gesamten Organismus – vergleichbar mit Physiotherapie.
Es unterstützt die Gesunderhaltung von Skelett, Muskeln, Sehnen, Bändern und Organen und verfolgt ein klares Ziel: einen stabilen, tragfähigen Körper zu entwickeln, der sich selbst und den Reiter langfristig schadensfrei tragen kann.

Dabei steht jedes Pferd als Individuum im Mittelpunkt.

Das Training wird nicht nach Schema F aufgebaut, sondern an den jeweiligen Körper, seine Möglichkeiten und seine Grenzen angepasst.
Das Pferd bleibt dabei ein aktiver Partner: Es gibt Tempo und Gangart mit vor, während der Fokus konsequent auf einer gesunden, entlastenden Bewegung liegt – ähnlich wie in der Humanphysiotherapie, in der Übungen gezielt gewählt und an Beschwerden angepasst werden.

Die Osteopathie ergänzt diesen Ansatz auf struktureller Ebene und beschreibt das Zusammenspiel von Körperstruktur und Funktion – denn steht das Skelett nicht korrekt, entstehen Spannungen: in der Muskulatur, in den Sehnen und letztlich auch in den Organen.

Flyer

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Sweeney Shoulder – Lähmung des nervus suprascapularis

Unfälle sind leider keine Seltenheit – und ihre Folgen können gravierend sein. In diesem Fall erlitt das Pferd im September 2022 einen Sturz, bei dem der Nervus Suprascapularis geschädigt wurde. Dieser Nerv ist entscheidend für die Versorgung der Muskulatur rund um das Schulterblatt und damit für die Stabilität der Schulter bzw. der kompletten Vorhand und damit auch des Rumpfes.

Nach einer ersten physiotherapeutischen Stabilisierung im Stand haben wir gezielt mit der Bewegungstherapie im Rahmen des Körpertrainings begonnen.

Im Video wird deutlich:

  • Die linke Vorhand war nach dem Unfall stark instabil,
  • der Bewegungsablauf deutlich eingeschränkt und unsicher.

Das Ergebnis nach vier Monaten gezieltem Training:

  • das Pferd steht wieder entspannt
  • freie, deutlich stabilere Bewegung im Bewegungsstall
  • selbst der Galopp ist wieder möglich
Mit Anklicken des Videos werden Daten an Youtube übertragen. Näheres unter Datenschutz

Ein Beispiel dafür, wie wichtig gezielte, durchdachte Therapie und Training für die Regeneration und langfristige Stabilität des Pferdes sind!


Weiterführende Informationen

Die sogenannte Sweeney Shoulder beschreibt eine Schädigung des Nervus Suprascapularis, die meist infolge eines Traumas entsteht – zum Beispiel durch einen Sturz, einen Anprall oder ein Hängenbleiben (bspw. an einer Raufe). Dieser Nerv versorgt wichtige Muskeln rund um das Schulterblatt, insbesondere den Musculus Supraspinatus und den Musculus Infraspinatus.

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Bewegungsprobleme und Stoffwechsel

Dieses Pferd wurde bereits artgerecht gehalten und gut versorgt, zeigte jedoch dennoch deutliche körperliche Auffälligkeiten: Die Hufe bauten zunehmend ab, das Pferd nahm kontinuierlich an Gewicht ab und wirkte insgesamt stark nervös und innerlich unruhig.

Im Rahmen des Körpertrainings arbeiteten wir dreimal pro Woche für jeweils etwa 30 Minuten mit dem Pferd. Bereits nach rund einem Monat waren erste deutliche Veränderungen erkennbar. Das Pferd nahm wieder an Substanz zu, wirkte ausgeglichener und zeigte eine deutlich stabilere und aufgerichtetere Körperhaltung.

Auch die Hufqualität verbesserte sich sichtbar, ebenso wie die gesamte Stoffwechsellage. Insgesamt zeigte sich, dass der Organismus wieder besser in seine funktionellen Abläufe fand und das Pferd zunehmend in einen stabileren Zustand zurückkehrte.

[Blog] Die zerstörten Illusionen

Durch unsere Aufklärung bringen wir Pferdebesitzer und -halter dazu, genauer hinzuschauen und bestehende Abläufe zu hinterfragen. Wir schaffen Wissen – und damit lösen sich auch Illusionen auf.

„Mit dem Wissen wächst der Zweifel“, sagte bereits Johann Wolfgang von Goethe – und genau das lässt sich auch in der Pferdewelt beobachten. Je mehr man versteht, desto häufiger beginnt man zu hinterfragen, ob bestimmte Vorgehensweisen tatsächlich logisch, sinnvoll und nachhaltig sind.

Immer wieder werde ich zu Pferden gerufen, die bereits eine lange „Therapiegeschichte“ hinter sich haben: Osteopathen, Physiotherapeuten, Tierärzte, mehrere Behandlungen von allen beteiligten. Oft heißt es danach: Das Pferd lief kurzzeitig besser – und trotzdem sind die Probleme nach kurzer Zeit wieder da. Dann folgt fast immer dieselbe Aussage: „Irgendwann muss es doch jemanden geben, der das dauerhaft lösen kann!“

Doch genau hier liegt der entscheidende Denkfehler: Die Verantwortung wird nach außen abgegeben.

Ich sehe meine Aufgabe deshalb auch in der Aufklärung. Ich erkläre, was ich am Pferd erkenne, zeige Strukturen wie Muskulatur, Knochenpunkte und Sehnenverläufe und lasse Besitzer selbst erleben, wie sich Bewegung mit und ohne Defizite anfühlt. Ziel ist nicht nur Verständnis – sondern Bewusstsein für Zusammenhänge, die man nicht mehr „wegbehandeln“ kann.

Manche reagieren darauf mit echter Bereitschaft zur Veränderung. Sie beginnen, ihr Training anzupassen, denken um – und genau dort entstehen oft nachhaltige Verbesserungen.

Andere hingegen suchen weiterhin nach der schnellen Lösung: „Wann ist das Pferd wieder reitbar?“, „Geht ein Turnier nächste Woche?“, „Könntest du es wieder einrenken, damit es läuft?“

Diese Haltung zeigt ein grundsätzliches Problem: Das Pferd wird nicht als fühlendes Lebewesen mit Anpassungsgrenzen gesehen, sondern als funktionierendes System, das wieder „hergestellt“ werden soll.

In einem Gespräch wurde ich einmal ernsthaft gefragt: „Haben Pferde eigentlich Gefühle?“

Die Antwort ist eindeutig: Ja!
Pferde sind Lebewesen mit einem Nervensystem, mit Wahrnehmung, mit Emotionen. Angst, Schmerz, Stress – all das sind keine Interpretationen, sondern biologische Realitäten. Als Fluchttiere sind diese Gefühle sogar überlebenswichtig.

Folgend eine kleine Auflistung der häufigsten Ursachen, die ich fast täglich erlebe:

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Pferde leiden still!

Pferde sind Fluchttiere und auch wenn sie domestiziert sind, bleiben die Verhaltensweisen immer gleich. Die Tiere haben also gelernt, sich bei Unwohlsein, Schmerzen oä nicht schreiend oder wehklagend in eine Ecke zu legen und auf sich aufmerksam zu machen, sie leiden still vor sich hin. Dies ist auch mit ein Grund, warum viele denken, man könne mit Pferden so viel machen (Rollkur, scharfe Gebisse, Prügelstrafe, etc), das Tier „sagt“ ja nichts – es hat keinen Schmerzlaut! Pferde lassen sich daher beliebig verbiegen und misshandeln. Im schlimmsten Fall bocken sie und werden dann als Problempferde abgestempelt.

Ich möchte euch heute von einem Pferd berichten, was wahrscheinlich schlimme Schmerzen hatte, aber das Problem nicht erkannt wurde. Die Veröffentlichung der Geschichte wurde mit der Pferdebesitzerin abgesprochen und war ausdrücklich erwünscht! Pferde leiden still! weiterlesen