Immer wieder treffe ich auf Pferde, welche unter Atemproblemen leiden. Gerade in den letzten Wochen ist dieses Thema weit verbreitet und die Pferdebesitzer verzweifeln. Als Erstes hatten wir mit sehr hohen Feinstaubwerten zu tun und dann kamen die heftigen Temperaturschwankungen dazu.
Aber auch eine falsche Körperhaltung führt zu Husten. Bei Verspannungen und Blockierungen im Bereich der Rippen und der Brustwirbelsäule, ist eine freie Atmung nicht möglich. Unpassendes Equipment und falsches Training führen ebenfalls zu Atemwegsproblemen.
Zudem leiden auch Pferde mit Übergewicht vermehrt unter Husten – warum dies so ist, erkläre ich euch im folgenden Beitrag.
Vorher noch kurz gesagt:
- Nicht jedes übergewichtige Pferd hat EMS (equines metabolisches Syndrom)!
- Aber fast jedes EMS-Pferd ist (oder war) übergewichtig.
- EMS ist eine krankhafte Stoffwechselstörung, während Übergewicht „nur“ eine zu hohe Körpermasse ist.
Warum Temperaturunterschiede die Atmung beeinträchtigen:
- Verengung der Atemwege: Kalte Luft kann die Atemwege reizen und verengen, was besonders für Lebewesen mit Asthma oder COPD problematisch ist.
- Erhöhte Schleimproduktion: Temperaturwechsel können die Schleimhäute reizen und vermehrte Schleimproduktion auslösen, was das Atmen erschwert.
- Trockene Luft: Sowohl kalte als auch warme, trockene Luft können die Atemwege austrocknen und zu Husten oder Atemnot führen.
- Erhöhte Anfälligkeit für Infektionen: Plötzliche Temperaturänderungen können das Immunsystem schwächen und das Risiko für Erkältungen oder Atemwegsinfekte erhöhen.
Bei Pferden mit Übergewicht kann die Atmung aus folgenden Gründen noch stärker negativ beeinflusst werden:
- Erhöhte Atemarbeit: Übergewichtige Pferde haben durch das zusätzliche Körpergewicht mehr zu tun, um ausreichend Luft zu bekommen, besonders bei körperlicher Belastung oder Temperaturwechseln. Kalte oder heiße Luft kann die Atemwege zusätzlich belasten, wodurch die Atmung erschwert wird.
- Vermehrte Belastung des Herz-Kreislauf-Systems: Übergewichtige Pferde haben oft ein weniger effizientes Herz-Kreislauf-System, das bei Temperaturumschwüngen stärker beansprucht wird. Dies kann zu schnellerer und flacherer Atmung führen, da das Pferd mehr Energie aufwenden muss, um den Körper auf der richtigen Temperatur zu halten.
Bei Pferden mit EMS kann die Atmung aus folgenden Gründen noch stärker negativ beeinflusst werden:
1. Übergewicht:
– Viele EMS-Pferde haben Übergewicht, was die Lunge mechanisch belastet. Fettablagerungen im Brust- und Bauchbereich können die Ausdehnung der Lunge einschränken.
– Ein höheres Körpergewicht bedeutet auch mehr Anstrengung bei Bewegung, was zu schnellerem Atmen führen kann.
2. Bewegungsmangel:
– Viele EMS-Pferde werden wegen Hufrehe oder Übergewicht weniger bewegt. Weniger Bewegung bedeutet schlechtere Kondition der Atemmuskulatur, was zu schnellerer Erschöpfung und schwererer Atmung führen kann.
3. Entzündungsprozesse im Körper:
– EMS ist mit chronischen Entzündungen verbunden. Diese können das Immunsystem schwächen, wodurch das Pferd anfälliger für Infektionen oder Atemwegserkrankungen wird.
Gerade der letzte Punkt (Entzündungsprozesse im Körper) ist sehr genau zu betrachten. Bei übergewichtigen sowie bei EMS Pferden werden vermehrt entzündungsfördernde Zytokine freigesetzt. Zytokine sind kleine Botenstoffe des Immunsystems, die Entzündungen und andere Immunreaktionen steuern. Sie werden von verschiedenen Zellen des Körpers produziert und regulieren die Kommunikation zwischen den Zellen.
Je nach Funktion unterscheidet man:
- Entzündungsfördernde Zytokine (proinflammatorisch)
Verstärken Entzündungen, um Infektionen oder Verletzungen zu bekämpfen. - Entzündungshemmende Zytokine (antiinflammatorisch)
Regulieren oder beenden Entzündungsreaktionen.Bei EMS werden besonders viele entzündungsfördernde Zytokine im Fettgewebe produziert. Das führt zu einer chronischen, unterschwelligen Entzündung, die Insulinresistenz, Hufrehe und andere Probleme verstärkt.
Auch bei Pferden, welche kein EMS haben, sondern „nur“ eine zu hohe Körpermasse aufweisen, setzen entzündungsfördernde Zytokine im Fettgewebe frei. Denn Fettgewebe ist nicht nur ein Energiespeicher, sondern auch ein hormonell aktives Gewebe.
So beeinflusst zu viel Fettgewebe die Zytokin-Freisetzung:
- Fettgewebe als Entzündungsquelle
Besonders viszerales Fett (Fett um die Organe) setzt entzündungsfördernde Zytokine frei. Diese fördern Entzündungen und können auf lange Sicht die Insulinsensitivität der Zellen verringern → Risiko für EMS steigt. - Veränderte Hormonproduktion
Fettgewebe produziert auch Leptin (Appetitzügler), welches ebenfalls Entzündungen fördern kann. Zudem haben übergewichtige Pferde oft eine Leptinresistenz, sodass ihr Körper weiter „Hunger“ signalisiert, obwohl genug Reserven da sind. - Geringere Insulinsensitivität schon vor EMS
Auch ohne EMS kann Übergewicht die Insulinempfindlichkeit der Zellen beeinträchtigen. Der Körper muss dann mehr Insulin ausschütten, um Zucker in die Zellen zu transportieren. Langfristig kann dies zur Entwicklung von Insulinresistenz und EMS führen.
Eine übermäßige Menge an entzündungsfördernden Zytokinen kann die Atmung beeinträchtigen!
Die Gründe dafür sind folgende:
- Entzündungen in der Lunge
Zytokine wie TNF-α, IL-1 und IL-6 können Entzündungen im Körper verstärken – auch in der Lunge (Lungenentzündung). Dies kann zu vermehrter Schleimproduktion, Schwellungen und Verengung der Atemwege führen. Besonders Pferde mit bekannten Atemwegserkrankungen Equinem Asthma (RAO/COPD) sind empfindlicher für solche Entzündungsreaktionen. - Veränderte Elastizität der Lunge
Chronische Entzündungen können die Struktur des Lungengewebes verändern. Dies macht es schwerer, Sauerstoff aufzunehmen, und kann zu einer erhöhten Atemfrequenz führen. - Insulinresistenz und Flüssigkeitseinlagerungen
Pferde mit EMS oder Übergewicht haben oft eine leichte Insulinresistenz, die zu Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe führen kann. Falls sich Flüssigkeit im Brustraum oder Lungenbereich ansammelt, kann dies die Atmung erschweren. - Reduzierte Fitness & Belastbarkeit
Wenn das Pferd übergewichtig ist und chronische Entzündungen hat, sinkt die Leistungsfähigkeit der Muskulatur (auch der Atemmuskulatur). Das Pferd atmet schneller und schwerer, besonders bei Bewegung.
Fazit:
Prüft die Körperhaltung eures Pferdes. Wie steht und läuft es? Gibt es immer wieder Verspannungen? Ist es überhaupt in der Lage, frei zu atmen?
Prüft die Haltungsbedingungen eurer Tiere (für Feinstaub und Temperaturschwankungen kann man nichts). Bei allem anderen kann man sicherlich optimieren! Gerade bei den Futtermengen und der Essensauswahl sollte bei übergewichtigen Pferden optimiert werden!
Habt ihr Fragen zur Ernährung oder habt ihr ein Hustenpferd und bekommt das nicht in den Griff? Gerne unterstützen wir euch! Schreibt uns einfach an 🙂