[Blog] Die Sache mit den Faszien und deren Krankheiten

Faszien (früher einfach nur als „Bindegewebe“ betitelt) sind ein oft unterschätztes, aber essenzielles Bestandteil des Körpers. Sie sind Strukturen, die Muskeln, Organe bzw. kurz gesagt, alle Gewebe umhüllen, verbinden und stabilisieren.

In den letzten Jahren haben die Faszien vermehrt wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten, weil sie eine bedeutende Rolle für die Gesundheit und Beweglichkeit spielen.

Aufbau der Faszien
Faszien bestehen hauptsächlich aus Kollagenfasern, Wasser und speziellen Zellen, die für die Produktion und Regeneration der Fasern verantwortlich sind.

Muskelfasern (Rot) mit Faszien (Weiß)
Muskelfasern (Rot) mit Faszien (Weiß)

Sie lassen sich in drei Hauptschichten unterteilen:

  1. Oberflächliche Faszien: Diese befinden sich direkt unter der Haut und enthalten Fettgewebe sowie sensorische Nerven.
  2. Tiefe Faszien: Sie umhüllen Muskeln, Sehnen und Gelenke und sorgen für deren strukturelle Integrität.
  3. Viszerale Faszien: Diese umgeben und stabilisieren die inneren Organe, beispielsweise das Herz, die Lunge und den Darm.

Funktion der Faszien

Faszien erfüllen mehrere wichtige Aufgaben im Körper:

  • Stabilisation und Struktur: Sie halten Organe und Muskeln in Position und sorgen für eine geordnete Anordnung der Gewebe.
  • Bewegungsunterstützung: Faszien übertragen mechanische Kräfte zwischen Muskeln und Gelenken und erleichtern so reibungslose Bewegungen.
  • Schutzfunktion: Sie dämpfen mechanische Belastungen und verhindern Verletzungen durch plötzliche Bewegungen oder Stürze.
  • Kommunikation und Wahrnehmung: Faszien enthalten zahlreiche sensorische Rezeptoren, die für die Körperwahrnehmung (Propriozeption) wichtig sind.

Krankhafte Veränderungen der Faszien

Faszien sind nicht statisch, sondern passen sich den Belastungen des Alltags an. Allerdings können verschiedene Faktoren ihre Funktion beeinträchtigen:

  • Verklebungen und Verhärtungen: Durch Bewegungsmangel, Fehlhaltungen oder Traumata können Faszien verhärten oder verkleben, was zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führt.
  • Fasziale Entzündungen: Chronische Überbelastung oder Autoimmunerkrankungen können zu Entzündungen der Faszien führen, die starke Schmerzen verursachen.
  • Fasziales Schmerzsyndrom: Eine Fehlfunktion der Faszien kann weitreichende Beschwerden verursachen, die oft mit Muskel- oder Gelenkschmerzen verwechselt werden.

Prävention und Behandlung

Um die Gesundheit der Faszien zu erhalten oder zu verbessern, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Regelmäßige Bewegung: gezieltes Körpertraining hilft die Faszien elastisch und geschmeidig zu halten.
  • Ausgewogene Ernährung: Eine bedarfsgerechte Ernährung unterstützt die Regeneration des Bindegewebes.
  • Stressreduktion: Artgerechte Haltung und Fütterung sowie ein stressfreies Training wirken sich positiv auf das Fasziennetz aus.
  • Hydration: Weil Faszien zu einem großen Teil aus Wasser bestehen, ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr essenziell.

Faszien spielen eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit und Beweglichkeit. Durch ein bewusstes Training und gezielte Pflege kann ihre Funktion langfristig erhalten bleiben, wodurch sich viele Beschwerden vermeiden lassen.

Was passiert mit gestressten / verhärteten / verspannten Faszien?

Gestresste Faszien können eine Reihe von negativen Auswirkungen auf den Körper haben, weil sie eine zentrale Rolle für Beweglichkeit, Stabilität und Schmerzempfinden spielen. Wenn Faszien überlastet oder dauerhaft unter Spannung stehen, kann es zu folgenden Veränderungen kommen:

  • Verklebungen und Verhärtungen
    Bei zu viel Stress (z. B. durch Bewegungsmangel, Überbelastung oder Fehlhaltungen) verlieren Faszien ihre Elastizität. Die kollagenen Fasern werden ungeordnet, verdicken sich und können miteinander verkleben. Das führt zu eingeschränkter Beweglichkeit und Verspannungen.
    Verklebte oder verhärtete Faszien können ein Taubheitsgefühl verursachen. Das liegt daran, dass Faszien eine enge Verbindung zum Nervensystem haben. Wenn sie verkleben oder verhärten, können sie Nerven einklemmen oder deren Funktion beeinträchtigen, was zu Symptomen wie Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder sogar Schmerzen führen kann.
  • Verminderte Durchblutung und Sauerstoffversorgung
    Weil Faszien viele Blutgefäße und Lymphbahnen enthalten, kann chronischer Stress die Durchblutung verringern. Das Gewebe wird schlechter mit Nährstoffen versorgt, was Heilungsprozesse verlangsamt und Entzündungen und Lymphstauungen begünstigen kann.
  • Schmerzen und Verspannungen
    Faszien sind reich an Schmerzrezeptoren. Wenn sie verhärten oder verkleben, kann das zu anhaltenden Schmerzen führen – oft als myofasziales Schmerzsyndrom (näheres unten) bezeichnet. Besonders betroffen ist häufig der Rückenbereich.
  • Eingeschränkte Beweglichkeit
    Gestresste Faszien verlieren ihre Gleitfähigkeit. Das bedeutet, dass Muskeln und Gelenke nicht mehr reibungslos zusammenarbeiten können, was zu Steifheit und Bewegungseinschränkungen führt.
  • Erhöhte Verletzungsanfälligkeit
    Unflexible Faszien können plötzlichen Belastungen schlechter standhalten. Dadurch steigt das Risiko für Zerrungen, Risse oder andere Verletzungen.

Faszien und Nervensystem

Der Zusammenhang zwischen Faszien und dem Nervensystem ist enger, als viele denken. Faszien sind nicht nur eine passive Hülle für Muskeln und Organe, sondern hochsensible Strukturen, die mit dem Nervensystem in ständigem Austausch stehen. Sie spielen eine zentrale Rolle bei der Wahrnehmung, der Bewegungskontrolle und sogar beim Schmerzempfinden.

1. Faszien sind reich an Nervenendigungen und Rezeptoren

Faszien enthalten eine Vielzahl von sensorischen Nervenzellen, die für die Körperwahrnehmung (Propriozeption) verantwortlich sind. Besonders wichtig sind:

  • Mechanorezeptoren (z. B. Ruffini- und Pacini-Körperchen): Sie registrieren Druck, Dehnung und Vibration und informieren das Gehirn über Bewegungen und Spannungszustände.
  • Nozizeptoren (Schmerzrezeptoren): Faszien sind mit Schmerzrezeptoren durchzogen. Sind sie verklebt oder entzündet, senden sie verstärkt Schmerzsignale an das Gehirn.
  • Freie Nervenendigungen: Sie sind an der Weiterleitung von Temperatur- und Schmerzsignalen beteiligt und beeinflussen auch unbewusste Körperreaktionen.

2. Faszien als Verbindung zwischen Muskeln und dem autonomen Nervensystem

Das autonome Nervensystem (ANS) steuert unbewusst ablaufende Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung und Verdauung. Faszien stehen mit dem ANS in direkter Verbindung, insbesondere mit dem sympathischen Nervensystem (der „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion).

  • Stress kann Faszien verspannen: Chronischer Stress aktiviert das sympathische Nervensystem, was zu erhöhter Muskelspannung und faszialen Verhärtungen führt.
  • Entspannungstechniken beeinflussen Faszien: Durch angepasstes Training und sanfte Bewegung kann das parasympathische Nervensystem aktiviert werden, was Faszien entspannt und Schmerzen lindert.

3. Faszien beeinflussen Schmerz und chronische Beschwerden

Weil Faszien eng mit dem Nervensystem verbunden sind, können sie Schmerzen nicht nur weiterleiten, sondern auch verstärken.

  • Chronische Schmerzen und Faszienveränderungen: Studien zeigen, dass Faszien bei vielen Schmerzsyndromen wie Rückenschmerzen oder Fibromyalgie (Museklfaserschmerzen) eine Rolle spielen.
  • Faszien und Phantomschmerzen: Nach Amputationen oder Verletzungen können über das fasziale Netzwerk weiterhin Signale an das Gehirn gesendet werden, was Schmerzen in nicht mehr vorhandenen Körperteilen auslösen kann.

4. Faszien und emotionale Spannungen

Emotionen beeinflussen das Nervensystem – und damit auch die Faszien. Besonders traumatische Erlebnisse oder anhaltender Stress können sich im Gewebe „einschreiben“ und dort Verspannungen oder Schmerzen verursachen.

  • Beispiel: Lebewesen mit Angst (oder auch Depressionen) neigen oft zu einer verkrampften Körperhaltung, was zu chronisch angespannten Faszien führt.
  • Lösung: Das Körpertraining kann helfen, emotionale Spannungen zu lösen, weil sich das Lebewesen wieder „sicher“ in seinem Körper fühlt.

Häufigste Erkrankung der Faszien

Das Myofasziale Schmerzsyndrom (MSS) ist eine häufige, aber oft übersehene Ursache für chronische Muskel- und Gelenkschmerzen. Es wird durch sogenannte myofasziale Triggerpunkte (schmerzhafte Muskelverhärtungen) verursacht, die Schmerzen ausstrahlen und die Beweglichkeit einschränken können.

Symptome des MSS:

  • Lokale Muskelverhärtungen (Triggerpunkte)
  • Ausstrahlende Schmerzen (referred pain)
  • Bewegungseinschränkungen
  • Muskelschwäche oder Erschöpfungsgefühl (Trageerschöpfung)
  • Verstärkung der Schmerzen bei Druck oder Bewegung

Ursachen der MSS:

  • Überlastung oder Fehlbelastung (z. B. schlechte Haltung, wiederholende, unpassende Bewegungen, mangelnde Bewegung, falsches Equipment)
  • Stress und emotionale Anspannung
  • Verletzungen oder Trauma

Das MSS kann auch durch unsachgemäße Nutzung eines Faszienutensils ausgelöst oder verstärkt werden. Das passiert, wenn das Gewebe durch falsche Technik oder übermäßigen Druck gereizt wird, anstatt entspannt zu werden.

Wie kann das passieren?

  1. Zu hoher Druck auf Triggerpunkte
    – Wenn du zu stark oder zu lange auf bereits verspannte Muskeln oder Triggerpunkte drückst, kann das die Schmerzen verschlimmern, anstatt sie zu lösen.
  2. Zu schnelles oder ruckartiges Rollen
    – Faszienrollen sollte langsam und kontrolliert durchgeführt werden.
    – Zu schnelle Bewegungen können das Gewebe zusätzlich stressen und zu Mikroverletzungen führen.
  3. Rollen direkt über Knochen oder Nervenbahnen
    – Manche Bereiche sind empfindlich, weil dort Nerven nahe unter der Haut verlaufen.
    – Zu viel Druck kann zu Taubheitsgefühlen oder anhaltenden Schmerzen führen.
  4.  Zu häufiges oder zu intensives Rollen
    – Faszien brauchen Zeit zur Regeneration.
    – Tägliches oder übermäßig langes Rollen kann das Gewebe überlasten und Entzündungen oder Verhärtungen verstärken.

Wie kannst du das vermeiden?

Arbeite mit deinen Händen. Wenn du die Faszien lösen möchtest, nutzte das, was du immer bei dir hast: deinen Körper!

Du kannst mit deinen Fingern fühlen, in welchem Bereich die Faszien verspannt sind und du kannst mit deinen Händen „flächig“ oder „punktuell“ an den geschädigten Strukturen arbeiten und umgehend „nachfühlen“, ob deine Behandlung etwas gebracht hat.

Mit einem Utensil zwischen dem Lebewesen und deinen Händen hast du keine Kontrolle über den Druck und das Gewebe darunter. Die Verletzungsgefahr ist enorm, ebenso wie die Spätfolgen.

Alternativ kannst du auch das ganze Lebewesen gezielt (!) bewegen. In der Bewegung werden die Faszien gedehnt, was sie durchblutet und belebt. Die Verklebungen lösen sich so ebenfalls.

Wenn du immer noch mit einem Utensil arbeiten möchtest, dann achte auf folgende Punkte:

  • Sanfter Druck: Starte mit wenig Druck (als würdest du ein rohes Ei vor dir haben und das Eigelb darf sich bei Berührung nicht verändern. Steigere den Druck nur bei Bedarf.
  • Langsam rollen: Vermeide hektische Bewegungen – langsames Rollen ist effektiver.
  • Empfindliche Bereiche meiden: Über Knochen und Nervenbahnen nicht direkt rollen.
  • Regenerationszeit beachten: Faszien brauchen Pausen – 2–3 Mal pro Woche reicht oft aus.
  • Schmerzen als Warnsignal nehmen: Ein leichter Druck ist okay, aber starke Schmerzen sind ein Zeichen, dass du zu intensiv arbeitest.

In diesem Sinne: Gezielte Bewegung hilft gegen Faszienstress!
Gerne unterstützen wir euch bei der Gesunderhaltung!