[Frage] Mein Pferd baut keine (Rücken-)Muskulatur auf, woran liegt das? Hilft ausbinden?

Antwort:

Ein Muskel ist über Sehnen am Knochen befestigt. Er kann sich nur aufbauen indem er arbeitet. 

Statische Haltearbeit:
Der Muskel baut auf,  in dem er eine gewisse Zeit hält und dann loslässt. Dabei bleibt die länge des Muskels erhalten. Als Bsp. halte eine gefüllte Flasche Wasser mit ausgestrecktem Arm vor deinem Körper. Du wirst nach einer kurzen Zeit ein brennen im Arm merken. Dort wird der Muskel unterversorgt und du solltest die Übung beenden, damit sich der Muskel erholen kann. Bei zu langer Haltearbeit wird der Muskel gar nicht mehr versorgt und durch die eigenen Muskelfasern gequetscht und baut eher ab als auf.

Dynamische Muskelarbeit:
Der Muskel baut auf, in dem sich der Ansatz- und Ursprungspunkt annähern. Dabei wird der Muskel verkürzt und beim loslassen wieder in seine ursprüngliche Länge gebracht.
Als Bsp. halte die gefüllte Flasche Wasser mit ausgestrecktem Arm vor deinem Körper und Winkel dann deinen Ellenbogen, sodass die Flasche auf deiner Schulter zu liegen kommt.


Bei den züchterisch veränderten / überarbeiteten Pferden kann die Muskulatur nicht mehr so arbeiten, wie wir es kennen. Hier stimmen die Proportionen des Skelettes und der Muskeln nicht immer überein. Zudem kommt die angezüchtete Hypermobilität, welche Einfluss auf die Muskelspannung hat.

Sollte ein Pferd also bereits verkümmerte (artrophierte) Muskeln haben, ist es zwingend erforderlich zu wissen warum. Gerade die Rückenmuskulatur ist bei Pferden am häufigsten betroffen. Der Grund: zu lange Haltearbeit (siehe oben).

Was also tun?
Das Pferd muss nach seinen körperlichen Befunden wieder auftrainiert werden. Ein Ausbinden, damit das Pferd den Weg über den Rücken findet ist in dieser Situation nicht zielführend.

Diese Pferde leiden meisten unter einer (beginnenden) Trageerschöpfung und laufen, als Hilfsmittel für sich selber, mit aufgestecktem Hals, um sich zu stabilisieren. Sie brechen dadurch hinter dem Widerrist ein und schlurfen mit der Hinterhand. Wenn diese Pferde nun künstlich in die Tiefe gearbeitet werden, sackt die Wirbelsäule noch tiefer in das Pferd, weil die Wirbelsäule keine Aufrichtungshilfe aus der Hinterhand erhält und die Halswirbelsäule die Brustwirbelsäule herunterdrückt. Das Problem des aufgesteckten Laufens ohne Ausbinder verschlimmert sich dadurch = es ist ein hausgemachtes Problem. Um Abhilfe zu schaffen, muss der Hals frei sein und die Hinterhand muss umtrainiert werden. Diese kann, wenn sie tragend-aktiv arbeitet, dass Pferd stabilisieren und die Vorhandmuskulatur entlasten. Damit kommt die überlastete Muskulatur aus der ständigen Haltearbeit heraus und kann wieder arbeiten und sich damit aufbauen.

ACHTUNG:
Wenn die Muskulatur zu lange in einem artrophierten Zustand ist oder war, bleiben Schädigungen zurück.

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