[Blog] Die Sache mit der Anlehnung

Die Reitlehren sprechen davon, dass nur ein Pferd, welches durch das Genick geht, in Anlehnung geht. Die Schlußfolgerung daraus ist, dass alle Pferde, welche nicht durchs Genick gehen, nicht durchlässig sind. Ein K(r)ampf um Anlehnung und das Genick ist vorprogrammiert.

Immer wieder treffe ich auf Reiter, welche mir erklären, dass sie gerade die Anlehnung mit ihrem Pferd üben – da gibt es Schwierigkeiten mit der Anlehnung / das Pferd will nicht durchs Genick gehen / das Pferd dehnt sich nicht an die Hand / …

Erkannt wird also, dass das Pferd etwas nicht macht und das von außen gegensteuert werden muss. Sei es mit einem neuen Trainer, einem Bereiter oder der Osteopath soll schauen, ob es im Pferd klemmt. Niemand scheint zu hinterfragen warum eine Anlehnung – ich nenne es mal böse – erzwungen werden muss.

Die Frage die ich dann immer stelle ist: Was bedeutet Anlehnung für euch?

Hier meine Antwort:
Anlehnung bedeutet im entferntesten Sinne „stütze“. Wir bieten unserem Partner eine Hilfe an. Nehmen wir als Beispiel ein Kind, welches Schlittschuhlaufen erlernt. Wir geben dem Kind unsere Hand und helfen ihm, sich auf dem Eis zurecht zu finden. Oder ein Tanzlehrer, welcher seinem Schützling die Positionen zeigt. Jeder Lehrer gibt seinem Schüler so viel Unterstützung, wie der Schüler in diesem Augenblick benötigt. Die Anlehnung beim Reiten / Longieren ist also eine Hilfestellung für das Pferd und sollte in diesem Sinne nicht „geübt“ werden, sondern einfach da sein. Oder wie sieht das beim Schlittschuhlaufen aus, wenn die Anlehnung geübt wird?!
Im pferdischen Beispiel sollte die Anlehnung genutzt werden, um die Balance herzustellen, wie zwei Tänzer – jeder hat seinen Tanzbereich – aber auch, um eine positive Anspannung ins Pferd zu bekommen, aus der dann die Selbsthaltung entsteht. In der Selbsthaltung läuft das Pferd frei, es trägt sich selbst, ist stolz und durchlässig.

Anlehnung hat in diesem Sinne also sehr wenig mit dem Genick des Pferdes zu tun!

Wenn das Pferd also durch das Genick gehen soll, dann hilft es wenig vorne zu manipulieren, denn was soll passieren? Wenn ihr euch in den Vierfüßlerstand begebt und den Rücken einfach hängen lasst und dann den Kopf nach unten bewegt, passiert im Rücken nichts. Egal was euer Kopf macht und ob ihr dabei kaut oder singt, es wird euch nicht helfen euren Rücken aufzudehnen. Die Aufdehnung und damit die Durchlässigkeit muss von hinten nach vorne erarbeitet werden. Das Pferd benötigt eine aktive Hinterhand, welche die Wirbelsäule wie ein Kran anheben kann und damit daraus ein Genick entstehen kann.

Fazit:
Es gibt zwei Arten in denen eine Anlehnung gehalten wird:
1. Bei einem jungen Pferd, welchem die Balance fehlt, als Hilfestellung
2. Wenn das Pferd in Selbsthaltung auf einer Show geht

Sobald die Anlehnung zu einem „auf dem Gebiss liegen“ wird, halten sich beide aneinander fest  und damit kann kein Muskelkreislauf arbeiten. Es ist dann weder von Durchlässigkeit, noch von Versammlung noch von sonstwas die Rede.

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