Ob Mensch oder Pferd – ein gesunder Bewegungsapparat lebt von einem ausgewogenen Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen.
Die Begriffe überwiegend phasische und überwiegend tonische Muskulatur helfen uns zu verstehen, warum Verspannungen entstehen, weshalb manche Muskeln an Kraft verlieren und warum eine Massage nie die alleinige Lösung dagegen ist.
Phasische und tonische Muskulatur – was ist der Unterschied?
Vereinfacht lässt sich die Muskulatur nach ihrer überwiegenden Funktion in zwei funktionelle Gruppen einteilen:
Tonische Muskulatur ist die Haltemuskulatur. Sie arbeitet nahezu ununterbrochen, um Gelenke zu stabilisieren und die Körperhaltung aufrechtzuerhalten. Aufgrund ihrer Dauerbelastung neigt sie dazu, sich bei Überlastung oder Fehlbelastung zu verspannen und zu verkürzen.
Phasische Muskulatur ist dagegen vor allem für Bewegung verantwortlich. Sie wird nur bei Bedarf aktiviert und neigt eher dazu, an Kraft und Muskelmasse zu verlieren, wenn sie zu wenig genutzt oder durch andere Muskeln ersetzt wird.
Kompensation – wenn der Körper sich selbst hilft
Der Körper versucht immer, Stabilität und Bewegung aufrechtzuerhalten. Ist eine (Bewegungs-)Muskelgruppe zu schwach, übernehmen andere (meistens haltende) Muskeln deren Aufgabe. Diese müssen dauerhaft mehr arbeiten, als eigentlich vorgesehen ist. Die Folge sind erhöhte Muskelspannung, Verhärtungen und schließlich schmerzhafte Verspannungen.
Beim Menschen zeigt sich das häufig im Nacken, unteren Rücken und oder in der Hüfte. Beim Pferd sind häufig Rücken-, Hals- oder Kruppenmuskulatur betroffen.
Was bewirkt eine Massage?
Eine Massage reduziert Muskelspannung, verbessert die Durchblutung und erhöht die Beweglichkeit des Gewebes. Schmerzrezeptoren werden beeinflusst, Stoffwechselprodukte können besser abtransportiert werden und das Gewebe wird elastischer. Sowohl beim Menschen als auch beim Pferd fühlen sich verspannte Bereiche nach einer Massage häufig deutlich lockerer an.
Warum eine Massage nicht immer zielführend ist

Verspannte Muskulatur übernimmt häufig eine stabilisierende Ersatzfunktion und ist daher nur ein Symptom. Besteht die eigentliche Ursache weiterhin, kann der Körper zunächst instabil wirken, weil er sich in einer Dysbalance befindet.
Beim Menschen äußert sich dies manchmal durch das Gefühl, nicht richtig aufrecht stehen zu können oder sich plötzlich weniger stabil zu fühlen. Beim Pferd kann nach einer Behandlung zeitweise eine ungewohnte Bewegung entstehen, was sich als unkoordiniertes Laufen äußert.
Warum Stabilitätstraining nach einer Massage so wichtig ist
Nach dem Lösen verspannter Muskulatur benötigt der Körper eine neue, gesunde Stabilität. Diese sollte durch gezieltes Training erarbeitet werden, so lernt der Körper, die neu gewonnene Beweglichkeit dauerhaft gesund zu nutzen.
Braucht ein gut trainierter Körper überhaupt Massagen?
Ein gut trainierter und ausgewogen belasteter Körper – beim Menschen wie beim Pferd – benötigt in der Regel deutlich seltener physiotherapeutische Massagen. Gezieltes Kraft-, Stabilitäts- und Koordinationstraining ist die nachhaltigste Maßnahme, um muskulären Dysbalancen vorzubeugen. Dadurch entstehen Verspannungen deutlich seltener oder lösen sich durch gezielte, gesund erhaltende Bewegung oft wieder von selbst.
Wer seinen Körper oder sein Pferd regelmäßig sinnvoll trainiert, schafft die besten Voraussetzungen für langfristige Gesundheit. In diesem Fall wird die physiotherapeutische Massage von einer regelmäßig notwendigen Behandlung zu einer gezielt eingesetzten unterstützenden Maßnahme oder einer wohltuenden Wellnessanwendung.

Massagen können das Wohlbefinden steigern und in besonderen Situationen therapeutisch sinnvoll sein – beispielsweise nach Verletzungen, bei akuten Überlastungen oder wenn Schmerzen die normale Bewegung einschränken. Sie ersetzen jedoch kein gutes Training.
Fazit
Verspannungen sind häufig nicht die Ursache eines Problems, sondern die Folge einer bereits bestehenden Instabilität oder Fehlbelastung / Dysbalance. Eine Massage kann diese Schutzspannung lösen und damit den Weg für eine gesündere Bewegung freimachen. Damit der Körper – ob Mensch oder Pferd – diese neue Beweglichkeit dauerhaft nutzen kann, muss sie jedoch durch gezieltes Stabilitäts- und Koordinationstraining abgesichert werden.
Ein gut aufgebautes Training ist daher die wirksamste Vorsorge gegen muskuläre Dysbalancen. Massagen können Beschwerden lindern, Heilungsprozesse unterstützen und das Wohlbefinden fördern. Für einen dauerhaft leistungsfähigen, gesunden und belastbaren Körper bleiben Bewegung, funktionelles Training und eine ausgewogene Belastung jedoch die wichtigste Grundlage.
